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„Mir sind chli verruckt gsi“: Als die Tour de Suisse die Hero ins Rampenlicht fuhr

  • Ruth Steiner
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Als die Tour de Suisse 1979 nach Lenzburg kam, wurde aus dem Industriegelände der Hero plötzlich eine Festbühne. Mittendrin: Hero-Verkaufsleiter Kurt Burger als Organisator vor Ort mit viel Pragmatismus, noch mehr Herzblut und derÜberzeugung, dass man Chancen packen muss, wenn sie vorbeifahren.


1979 - wenn Kurt Burger davon erzählt, leuchten ihm heute noch die Augen. „Mir sind eigentli scho chli verruckt gsi“, sagt er und lacht. Und man glaubt es ihm sofort. Denn was die Hero damals rund um die Schlussetappe* der Tour de Suisse in Lenzburg auf die Beine stellte, war alles andere als Alltag.


Burger war damals Verkaufsleiter bei Hero. Ein Mann, der lieber rasch anpackte als lange redete. Das ist auch heute noch spürbar, wenn er sich an das Projekt «Tour de Suisse» erinnert. Wenn der jetzt 88-Jährige über den Event erzählt, könnte er ebenso gut gestern stattgefunden haben und nicht vor bald fünf Jahrzehnten, so präsent sind die Bilder heute noch.


Das ist die Geschichte von der Tour de Suisse-Etappe mit Ziel im Hero-Areal in Lenzburg. Burger selber war kein«Gümmeler», sagt er. Jedoch als klar wurde, dass man den populären Radsportanlass nach Lenzburg holen kann, hiess das für den Hero-Verkaufsleiter zuerst einmal: organisieren, telefonieren, Leute zusammentrommeln. „Am Afang hesch eifach gmerkt – das git e Riesebrocke Arbet.“ Abergleichzeitig sah er die Chance für seinen Arbeitgeber, die Hero Lenzburg. Neue Produkte wie das Fruchtgetränk SIP oder die Gemüselinie Hero Primera hatten sich auf dem Markt noch nicht wunschgemäss durchgesetzt und sollten inder Schweizer Bevölkerung bekannter gemacht werden. „Mir händ gseit: Wenn scho so vill Lüüt bi some ne Alass am Strosserand stönd, denn müend mer das nutze.“ Tausende von Zuschauern säumten zu jener Zeit jeweils die Strassen, wenn der lange Konvoi mit Radrennfahrern und Begleitfahrzeugen durch die Dörfer fuhr. Und die Feiern an den Etappenzielen vermochten ebenfalls viel Volk anzulocken und kamen halben Dorffesten gleich. Die Hero-Parole hiess deshalb: Wann, wenn nicht jetzt! Das Unternehmen wollte die Popularität des Radsport-Anlasses nutzen.


Gesagt, getan: Also zog ein Hero-Tross neun Tage lang mit der Tour de Suisse mitten in einer Heerschar vonFahrzeugen des Hauptsponsors SKA (Schweizerische Kreditanstalt, später Credit Suisse), Zigarettenmarken und weiteren im riesigen Fahrerfeld quer durch die Schweiz. Mit dabei zwei Hero-Reklamewagen – der eine mit einer riesigen SIP-Flasche (einem damals neu lancierten Fruchtgetränk aus Aprikosen) auf dem Dach, den zweiten Reklamewagen zierte eine ebenso grosse Gemüsedose der ebenfalls neu lancierten Marke Primera. Dazu kamen Fahrzeuge mit Personal und Material. „Mir hend en Unmängi a Fruchtsaft uusgschänkt während der Tour dor d’Schwiiz“, erinnert sich Burger. Täglich wurden unterwegs unzählige Gratisflaschen an die Zuschauerinnen und Zuschauer am Strassenrand abgegeben. An jedem Etappenort wurde eilig ein Hero-Stand aufgestellt, grosszügig Gratis-Fruchtsaft ausgeschenkt und Musterfläschchen verschenkt. „Die Lüüt hend zum Teil gar ned gwüsst, dass es eusesProdukt git – und nachher de scho», erinnert Kurt Burger sich und schmunzelt.


Währenddessen wurde das Hero-Areal in Lenzburg zur Festzone. Tribünen wurden aufgebaut, Verkehr umgeleitet, organisiert, koordiniert. Am Abend wurde die Tourankunft auf dem Hero-Gelände gefeiert. „Das ischwie es Schlussfescht vo de ganze Tour gsi“, sagt Burger. Auch Fahrer, Betreuer und Tour-Leute seien am Abend noch geblieben und hätten mitgefeiert.


Was ist Kurt Burger besonders in Erinnerung geblieben, wenn er an das Tour de Suisse-Abenteuer von 1979 denkt? Es sind nicht der Stress und die viele Arbeit – sondern Begegnungen. „Du hesch Lüüt kenneglehrt, Chundebeziehige chönne pflege.» Und dann ganz der Verkaufsleiter: «Nachher hesch gmerkt, dass das Produkt lauft.“ Gerade der Absatz von SIP-Fruchtsaft habe 1979 nach der Tour de Suisse deutlich zugelegt.


Kurt Burger ist überzeugt: Hero engagierte sich nicht nur als Begleiter des Radrennens aus eigenen Interessen, sondern leistete 1979 auch einen sichtbaren Beitrag zum Gelingen dieses bedeutenden Sportereignisses.


Text: Ruth Steiner




















Kurt Burger Foto © Ruth Steiner


Bilder zVg von Kurt Burger


Anmerkung:

*Ganz offiziell wurde die Tour de Suisse 1979 in Hendschiken beendet. Dies am Tag nach der Ankunft in Lenzburg miteinem Zeitfahren von Lenzburg nach Hendschiken, das eine Schlaufe über das Freiamt machte. Der damalige OK-Präsident Josef Gschwend hat die Erinnerungen von damals aufgeschrieben und Bildmaterial zusammengetragen. Mehr Bilder hier https://5604.ch/wp- content/uploads/2025/01/TourDeSuisse1979Web.pdf

 

 

Die 43. Tour de Suisse fand vom 13. bis 22. Juni 1979 statt. Sie wurde in elf Etappen und einem Prolog über eine Distanz von 1.622 Kilometern ausgetragen. Gesamtsieger wurde der Belgier Wilfried Wesemael. Die Rundfahrt startete in Zürich mit 86 Fahrern, von denen 66 Fahrer am letzten Tag nach dem Zeitfahren inHendschiken ins Ziel kamen. Die beiden Schweizer Fahrer Erwin Lienhard und Beat Breu wurden wegen Dopings vom 3. beziehungsweise 10. Platz auf den 11. und 27. Gesamtrang der Einzelwertung distanziert. 66 Fahrer erreichten das Ziel der Rundfahrt. (Wikipedia)

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