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Von Himbeeren, Helden und Heldinnen: Lehrjahre bei Hero

  • Ruth Steiner
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Zwischen Erdbeer- und Himbeerduft kämpften junge Lernende in der Buchhaltung tapfer mit Zahlen und Belegen. Regina Frischknecht erinnert sich an ihre Lehrjahre bei der Hero in Lenzburg: ein Balanceakt zwischen Früchten, Zahlen und ganz besonders zarten Banden in der grossen Welt der Nahrungsmittel.


Ein früher Morgen auf dem Fabrikareal in Lenzburg: Die Hofeinfahrt der Hero hinter dem Bahnhof Lenzburg vibrierte jeweils unter den Reifen der schwer beladenen Lastwagen. Harrassenweise Himbeeren und Erdbeeren wurden abgeladen, die Luft erfüllt vom süssen Duft der Früchte. Für die junge Regina Bossert, ein Mädchen aus dem «Städtli», war dies der Beginn ihrer Lehrzeit im Jahr 1976. „Ich sehe es noch genau vor mir“, sagt sie heute. „Wenn ein Einkäufer sagte, die Ware sei nicht gut, musste der Chauffeur mit der gesamten Ladung unverrichteter Dinge wieder abziehen. Ich verstand das damals nicht ganz. Es hat mir jedoch mächtig Eindruck gemacht.“


Regina wuchs in Lenzburg auf, Tochter der Velohandlung Bossert, ein richtiges Städtli-Kind. Dass sie eine Lehrstelle bei der Hero bekam, sei ein Privileg gewesen, erzählt sie. „Man ging damals entweder zur Bank, zur Arova (heute Mammut) oder eben zur Hero, das waren die Top-Adressen für KV-Lernende. Dass ich als Sekundarschülerin dort eine Lehrstelle bekam, macht mich heute noch stolz.“


Die Ausbildung war streng, aber abwechslungsreich, erinnert Regina Frischknecht sich. Alle drei Monate wechselten die Lernenden die Abteilung – Einkauf, Buchhaltung, Registratur. So habe man reiche Erfahrung sammeln können und früh gelernt, sich im Unternehmen zurechtzufinden. „Wenn es einem an einem Ort nicht so gefallen hat, wusste man: In drei Monaten kommt etwas Neues.“ Sieben Lernende pro Jahrgang bildeten schnell eine kleine Gemeinschaft, besonders während der Pausen. „Alle Lernenden hatten immer gleichzeitig Pause. Darauf hat die Lehrlingsbetreuung grossen Wert gelegt. Zwei Tische voller Stifte. Die offizielle Pause war fünfzehn Minuten, meistens wurden es ein paar mehr», sagt sie und schmunzelt.


Besonders in Erinnerung geblieben ist Regina Frischknecht das Hero-Lehrlings-Lager: Jedes Jahr verbrachten die Hero-Lernenden eine Woche zusammen bei einem Sozialeinsatz irgendwo in der Schweiz. «Alle Jahrgänge zusammen, vom ersten bis zum dritten Lehrjahr», erzählt sie. Das bedeutete nicht nur Arbeit, sondern auch Abenteuer. «Am Morgen haben wir gearbeitet, Büsche geschnitten oder Wege vom Schutt geräumt. Am Nachmittag hatten wir frei.» Für die Jüngeren war besonders der Ausgang mit den älteren Lernenden aufregend. «Unsere Lagerleiter hatten manchmal ziemlich zu tun mit uns.» Einmal halfen die Lenzburger Hero-Stiftinnen und -Stiften in Gommiswald einen Wanderweg zu bauen. Er erhielt den Namen Hero-Weg und existiert heute noch.


Nach der Lehre, von 1979 bis 1984, arbeitete die junge Regina Bossert in der Finanzabteilung der Firma. Dort begegnete sie ihrem späteren Mann beim legendären Inventarfest: zwei Tage lang zählen und rechnen, danach ein Fest mit Essen, Tombola, Preisen für das Personal. „Velos, Schirme, Pralinen, alles, was die Lieferanten den Hero-Einkäufern geschenkt hatten, wurde einmal im Jahr beim Inventarfest unter den Mitarbeitenden verlost.» Bei dieser Gelegenheit lernte Regina Bossert einen jungen Mann aus der Marketingabteilung kennen. Erst half er ihr bei den Buchhaltungsaufgaben. Und ehe sie sich versah, hatte sie die KV-Abschlussprüfung bestanden und er einen festen Platz in ihrem Leben...


1984 verliess Regina Frischknecht die Hero-Gruppe, die junge Familie wuchs. Doch die Jahre bei Hero haben Spuren hinterlassen. Vornehmlich positive. «Es war eine intensive, wunderbare Zeit», sagt sie rückblickend. Besonders geprägt habe sie, wie die Mitarbeitenden miteinander umgegangen seien. Egal ob Büro und Fabrik, wo jemand gearbeitet hat, habe kaum eine Rolle gespielt. «Man kannte sich. Man respektierte sich.»


Und sie lernte früh etwas, das sie bis heute begleitet: sorgfältig arbeiten, Verantwortung übernehmen, auch schwierige Situationen versuchen selbst zu lösen. «Man hat uns viel zugetraut», erinnert sie sich.

Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das geblieben ist: Teil einer grossen Familie gewesen zu sein. «Hero war damals eine grosse Familie», sagt Regina Frischknecht. «Und für mich war es ein wunderbarer Ort, um ins Berufsleben zu starten.»



Text: Ruth Steiner

Bilder zVg von Regina Frischknecht



Regina Frischknecht



Regina Frischknecht als Lernende bei der Hero
Regina Frischknecht als Lernende bei der Hero

Regina Frischknecht im Verpflegungsteam an der Hero Generalversammlung
Regina Frischknecht im Verpflegungsteam an der Hero Generalversammlung


Regina Frischknecht im Lehrlingslager
Regina Frischknecht im Lehrlingslager




















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