Zwischen Konfitürenduft und Karriereträumen
- Ruth Steiner
- vor 4 Tagen
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Schon als junge Lehrtochter übernahm Charlotte Graf bei «Hero» Verantwortung, kochte für ganze Lagergruppen und entdeckte ihre Leidenschaft für Marketing und Produktentwicklung. Die Lenzburger Traditionsfirma wurde für sie zur Lebensschule und zum Ort, an dem sie lernte, «etwas zu bewegen».
Besonders lebendig sind ihre Erinnerungen an die Lehrlingslager geblieben. Während ihre Gspänli Strassen sanierten, kleine Brücken bauten oder im Wald arbeiteten, sorgte Charlotte Graf für das leibliche Wohl der ganzen Gruppe. «Ich war ein richtiger Kochtiger und habe schon damals wahnsinnig gerne gekocht», erzählt sie lachend. In der «Hero»-Küche war sie zuvor auf die verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet worden. «Man hat mir gezeigt, wie man für 30 Leute kocht, welche Mengen dafür benötigt werden. Dabei ist einiges bereits vorbereitet worden und ich bekam genaue Anweisungen, wie ich das Essen vor Ort fertigkochen musste.»
Nach der Lehre ging sie einige Jahre auf «Wanderschaft», bevor sie zur Hero zurückkehrte. An eine erste Aufgabe erinnert sich Charlotte Graf, mittlerweile das Diplom einer Werbeassistentin in der Tasche, besonders: Sie musste eine aufwendige Tonbildschau über die «Hero»-Produktion realisieren: vom frischen Obst bis zum fertig abgefüllten Konfiglas im Ladenregal. Nach fast einem Jahr intensiver Arbeit konnte die Tonbildschau schliesslich präsentiert werden. «Bei dieser Arbeit habe ich praktisch in jeden Winkel der «Hero»-Produktionsstätten gesehen und viele Leute interviewt», erzählt sie. Besonders berührt haben sie dabei die Begegnungen mit den unzähligen Mitarbeitenden aus Italien, Portugal oder Spanien in der Produktion. «Es war eine unglaubliche Herzlichkeit und Lebensfreude spürbar. Am Fliessband wurden sogar Lieder gesungen.» Die Fabrik sei ein eigener Kosmos gewesen, geprägt von verschiedenen Kulturen und Geschichten.
Später bildete sich Charlotte Graf zur Marketingplanerin weiter und wechselte ins Product-Management. Es faszinierte sie, Produkte von der ersten Idee über die Produktion bis zur Vermarktung zu begleiten. «Der Gedanke, «Mutter» eines Produkts zu sein, war ein besonderes Highlight für mich», sagt sie lachend.

Dass ihr die Vorgesetzten früh Vertrauen schenkten, bedeutete ihr viel. Als junge Frau sass sie 1986 zusammen Direktoren und Kaderleuten im Organisationskomitee für das 100-Jahr-Jubiläum der «Hero». «Ich war die einzige Frau im OK», erzählt sie stolz.
Fast neun Jahre blieb Charlotte Graf bei der «Hero». Jahre voller Verantwortung, Begegnungen und Möglichkeiten. Oder wie sie selbst sagt: «Ich hatte immer das Gefühl: Ich darf etwas bewegen.»


