Hero-Momente: Ravioli, Recycling und das Vermicelles-Wunder
- Ruth Steiner
- 3. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Manche Jobs prägen einen, andere liefern Geschichten, die man ein Leben lang erzählt. Kurt Frischknechts Zeit bei der Hero gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Drei Ereignisse stechen besonders heraus: der Ravioli-Skandal, das Weissblechrecycling und das Vermicelles aus der Tube.
Der Ravioli-Skandal
Ein denkbar schlechter Start im neuen Job: Kurt Frischknecht hätte sich nie vorstellen können, was schon bald über ihn hereinbrechen würde, als er 1978 als Product-Manager, in die Hero eintrat. Als 24-jähriger Kaufmann, unter anderem verantwortlich für Teigwarenkonserven, fand er sich kurz nach Arbeitsbeginn mitten im Ravioli-Skandal wieder. Was war geschehen? Ein Schweizer Konsumentenmagazin hatte Büchsen-Ravioli untersucht und in einigen Produkten Herz, Nieren, Lunge oder sogar Schweineköpfe entdeckt. Die Hero-Ravioli seien zwar davon nicht betroffen gewesen, sagt Frischknecht, doch auch deren Umsätze stürzten ab. Selbst treue Kunden liessen die Dosen in den Verkaufsregalen stehen, Medien inszenierten eine Gourmet-Apokalypse, und die Diskussion über Lebensmittelsicherheit kochte hoch. Kurt Frischknecht erinnert sich: «Obwohl unsere Ravioli einwandfrei waren, standen wir ebenfalls mitten im Sturm. Mit aufwändigen teuren Informations-Kampagnen mussten wir das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen.» Eine riesige Herausforderung. Und sicher eine Lektion in Krisenmanagement.
Das Weissblechrecycling
Längst wurde Glas mit einer Selbstverständlichkeit recycelt, Weissblech jedoch nicht. Dabei produzierte Hero Tonnen von Weissblechdosen für Ravioli, Erbsli & Rüebli & Co.. Kurt Frischknecht wollte das ändern und ergriff die Initiative. Er kontaktierte Stahlrecyclingfirmen, Handelsketten, Produzenten und Gemeinden. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit entstand ein nationales Weissblechrecycling. 1987 wurde die Organisation Ferro-Recycling gegründet, mit Kurt Frischknecht als deren erstem Präsidenten. Heute ist Weissblech-Recycling selbstverständlich. Und jedes Mal, wenn Frischknecht eine Dose in den Sammelcontainer wirft, denkt er: «Vielleicht wirst du irgendwann ein Stahlträger.» Ein kleines Wunder der Nachhaltigkeit – und ein Moment, auf den er heute noch stolz ist.
Das Vermicelles aus der Tube
Wäre er selbst kein grosser Vermicellesfan, wer weiss, ob die Hero jemals Vermicelles aus der Tube produziert hätte……. Die Geschichte vom Hero-Vermicelles aus der Tube beginnt jedoch mit einem ziemlich hartnäckigen Problem: Maroni Püree ist zwar wunderbar im Geschmack, aber in seiner natürlichen Form eher ein störrischer Klumpen. Schön als feine „Spaghetti“ aus der Dose kommen, das macht es nicht freiwillig. Dazu bedingte es der Ingenieurs-Kunst, erzählt Kurt Frischknecht. «Anfangs versuchte man es mit Löchern im Deckel. Einfach? Denkste. Das Püree wollte nicht durch, der Druck war zu gross, die Tuben drohten zu platzen.»
Nach unzähligen Tests fand eine spezialisierte Firma schliesslich die Lösung: eine Tube mit grosser Öffnung und Spezialverschluss – die eingebaute Vermicelles-Düse. Doch selbst das war nur die halbe Miete. Schlüssel verbogen sich, Membranen widersetzten sich, und manchmal verabschiedete sich eine Tube dramatisch unter Druck. Zwei bis drei Jahre wurde getüftelt, getestet (und sicher gelegentlich geflucht….). Es war ein kostspieliges Abenteuer. Kurt Frischknecht erinnert sich: «Werkzeuge im Wert von über 100’000 Franken mussten extra gefertigt werden. Und das alles für ein saisonales Dessert.» Am Ende triumphierte ein unscheinbarer Kunststoffschlüssel: drücken, drehen und das perfekte Vermicelles lag im Teller. Fazit: Damit ein Dessert leicht aussieht, braucht es manchmal erstaunlich viel Technik, Geduld und ziemlich starke Tuben.
Text: Ruth Steiner
Bilder zVg von Kurt Frischknecht


