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Eine Liebe zwischen zwei Welten

  • Ruth Steiner
  • vor 15 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Die Liebe seiner Eltern hätte gar nicht sein dürfen, erzählt Markus Schaffer: Zu tief der kulturelle Graben, zu klar die Linien der damaligen Zeit: Die Mutter, Gastarbeiterin aus Italien, und der Vater, Sohn aus gutbürgerlicher Schweizer Familie, begegneten sich in einem Lenzburg, das damals geprägt war von der Hero, in der sich Leben aus verschiedenen Ländern berührten.


Markus (Güx) Schaffers Mutter kam einst als Gastarbeiterin aus Italien zur Hero nach Lenzburg. Die familiären Verbindungen zur Hero gehen noch weiter zurück.
Markus (Güx) Schaffers Mutter kam einst als Gastarbeiterin aus Italien zur Hero nach Lenzburg. Die familiären Verbindungen zur Hero gehen noch weiter zurück.

Markus Schaffer erinnert sich: «Die Hero hat in der Geschichte unserer Familie immer eine besondere Rolle gespielt – und eigentlich tut sie das bis heute. Nicht nur als Konservenfabrik, sondern als Teil einer Stadt und eines Lebensgefühls. Wenn ich heute durch das ehemalige Hero-Areal gehe, sehe ich deshalb nicht einfach Gebäude. Ich sehe Geschichten.


Zuerst der Grossvater…

Begonnen hat alles mit meinem Grossvater. Er arbeitete bei der Hero in verantwortungsvoller Position mit Prokura. Damals waren Unternehmer noch Patrons: Sie standen mit ihrem Namen für ihre Produkte ein, aber auch für ihre Mitarbeitenden und ihren Ruf im Ort. Die Hero war mehr als eine Fabrik. Mein Grossvater erhielt von der Firma ein Stück Land, auf dem er ein Haus bauen konnte; kein kurzfristiger Bonus, sondern etwas Bleibendes. Die Mitarbeitenden bekamen günstige Kredite direkt von der Firma. Das schuf Verbundenheit und Verantwortungsbewusstsein auf beiden Seiten.


…dann die Mutter

Dann kam die Geschichte meiner Mutter. Kurz nach dem Krieg verliess sie mit zwei Schwestern Italien und kam als junge Frau in die Schweiz, zur Hero in Lenzburg. Der Krieg hatte ihr die Jugend genommen. Sie musste Geld verdienen, damit ihre Brüder in Italien wieder eine Existenz aufbauen konnten. Die drei jungen Frauen brachten wenig Besitz mit. Doch sie konnten kochen und aus einfachen Zutaten etwas Besonderes machen.

Mit den unzähligen Italienerinnen, Spanierinnen und Portugiesinnen veränderte sich auch die Hero. Plötzlich entstanden Produkte wie Ravioli, nicht am Reissbrett, sondern aus gelebter Kultur. Diese Frauen brachten neue Geschmäcker und Essgewohnheiten in die Schweiz. Zucchini, Peperoni oder Olivenöl waren damals hier fast exotisch. Nach den Ferien in Italien kamen wir mit unserem Auto jeweils voll beladen zurück nach Lenzburg: Gemüse, eingelegte Spezialitäten, hausgemachte Pasta. Meine Mutter kochte für Nachbarn und Freunde, und viele merkten zum ersten Mal, wie gut einfache mediterrane Küche schmecken kann.


Mein Vater, aus einem gutbürgerlichen Schweizer Elternhaus stammend, verliebte sich Hals über Kopf in die junge Italienerin, die in der Hero-Fabrik arbeitete. Für sein Umfeld war diese Liebe damals alles andere als selbstverständlich. Seine Eltern und das Umfeld stellten seine Zukunft infrage, sprachen von Karriere, Herkunft und gesellschaftlichen Unterschieden. Eine Italienerin zu heiraten, die als Gastarbeiterin in der Hero Gemüse abfüllte, galt nicht als passende Partie. Mein Vater musste zuhause für diese Liebe kämpfen: gegen Vorurteile, gegen Ängste und gegen ein Denken, das die Menschen fein säuberlich in Schichten einteilte.


Meine Mutter wiederum musste sich in einer fremden Sprache und Kultur behaupten. Sie kam aus einer lauten, herzlichen italienischen Grossfamilie und fand sich plötzlich in der nüchternen Schweizer Nachkriegsgesellschaft wieder. Doch die Liebe meiner Eltern trotzte allen Widerständen. Gemeinsam bauten meine Eltern ein Leben auf, in einem Haus, das existierte, weil die Hero meinem Grossvater einst Land gegeben hatte.


Darum bleibt die Hero für mich ein Sinnbild für Gemeinschaft, Aufstieg und Zusammenhalt. Vielleicht schmerzt mich gerade deshalb der Blick auf Teile des heutigen Areals. Denn dieser Ort hätte mehr verdient als das Sinnbild blosser Spekulation; er hätte mehr von seinem ursprünglichen Geist seiner früheren Erbauer bewahren dürfen.»







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